Mogelpackung Pädagogik-Paket: Mehr Druck auf SchülerInnen – mehr Bürokratie für LehrerInnen

Wiedereinführung der Ziffernnoten und des Sitzenbleibens ab der 2. Klasse Volksschule, zurück zu Leistungsgruppen in der Mittelschule – das ist kurz zusammengefasst das Pädagogik-Paket von Bildungsminister Faßmann

mit dem er bei den LehrerInnen zu punkten versucht. Ein genauerer Blick lässt aber schnell erkennen: Nicht nur SchülerInnen werden durch Faßmanns Mogelpackung künftig größerem Druck ausgesetzt, auch den LehrerInnen werden durch die Pläne des Ministers zusätzliche Hürden in den Weg gelegt, und zwar mehr Bürokratie und damit weniger Zeit für die SchülerInnen.

„Mit diesem Paket katapultiert Bildungsminister Faßmann das österreichische Bildungssystem zurück in die Steinzeit. Statt Chancengleichheit, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Einkommen der Eltern, fördert die türkis-blaue Bundesregierung ein hierarchisches und elitäres Bildungswesen bereits ab der 1. Klasse Volksschule“, kommentiert Thomas Bulant, FSG-Vorsitzender der Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen und ausgewiesener Schulrechtsexperte die Pläne des Ministers.

Dass regelmäßiges Feedback, was den Lernerfolg betrifft, Noten haushoch überlegen ist, konnte in zahlreichen Studien belegt werden, wie auch der Kontrast-Blog erst kürzlich berichtete. Und dass Sitzenbleiben nicht nur demotivierend und grausam ist, sondern sogar zu einem Sinken des Leistungsniveaus von Schulsystemen insgesamt führt, bezeugen nicht nur namhafte ExpertInnen, wie beispielsweise Karl Heinz Gruber im Standard, sondern auch wissenschaftliche Studien.

Weniger beleuchtet als die Auswirkungen des Gesetzesentwurfs auf die SchülerInnen wurden jedoch die negativen Konsequenzen, die das Paket auch für die LehrerInnen hat. „Das, was Faßmann als Pädagogik-Paket anpreist, ist in Wahrheit das Gegenteil dessen, nämlich ein Bürokratie- und Belastungs-Paket. Auf die Lehrerinnen und Lehrer kommen zahlreiche neue Arbeitsbelastungen zu. Gleichzeitig werden keinerlei zusätzliche Ressourcen, wie beispielsweise Support-Personal, zur Verfügung gestellt. Und was das in der Praxis bedeutet, ist auch klar: Lehrerinnen und Lehrer haben künftig noch weniger Zeit für die eigentliche Bildungsarbeit, bei und mit den Schülerinnen und Schülern in der Klasse“, so Bulant.

Die bürokratischen Hürden im Detail

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Die Forderungen der FSG-GÖD für die Pflichtschule

Der neueste OECD-Bericht über Chancengleichheit im Bildungsbereich stellt Österreich ein verheerendes Zeugnis aus. Mit Bildungsminister Faßmann’s Bürokratie-Paket wird sich dieses Problem in Zukunft noch verschärfen. Statt einer Mogelpackung namens „Pädagogik-Paket“ fordert die FSG-GÖD daher für den Pflichtschulbereich:

Die Aufgabe des Staates ist es, dafür genügend Fachkräfte auszubilden und für ausreichend Personal, ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis und Dienstrecht zu sorgen.

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